Wenn Eltern mit Worten kränken …

Vielleicht kennen Sie das auch: Sie kommen nach Hause, stolpern gleich nach dem Betreten der Wohnung über den Schulranzen ihres Kindes. Als nächstes stellen Sie fest, dass in der Küche das Chaos ausgebrochen ist und der Hund ein Sofa-Kissen auseinandergenommen hat.
Nicht verwunderlich, dass Sie nun – je nach Ausgangsstimmung – verärgert, gestresst oder wütend werden.

„In der Wut wird der Mensch dumm.“

So oder ähnlich lautet ein bekanntes und zutreffendes Sprichwort. Wer wütend ist, sagt oder tut Dinge, die nachher oft bereut und bedauert werden. So auch in unserem Beispiel.
Vielleicht fallen dann solche Sätze wie: „Ich hab Dir schon 1000 Mal gesagt, dass Du Deinen Ranzen wegräumen sollst und der Hund hat nichts im Wohnzimmer verloren. Auf Dich kann ich mich überhaupt nicht verlassen!“

Manchmal kränken Eltern ihre Kinder mit dem, was sie zu ihnen oder über sie sagen.

Das passiert fast nie aus Berechnung, sondern eher aus Überforderung oder Überlastung. Eher dient es dazu, die Verhältnisse wiederherzustellen oder ein Bedürfnis klarzustellen. Häufig passiert dies jedoch durch machtvolles, lautes, gewaltvolles Auftreten.

Die Kinder versuchen dann häufig, sich diesem Auftreten durch Protest oder Streit entgegenzustellen. Sie versuchen dann, sich Demütigungen oder Verallgemeinerungen entgegenzustellen.

Der Konflikt, die Verletzung – jedoch keine Lösung – scheint absehbar.

 

Wie komm´ ich da wieder raus?

Erst einmal vorab: Wir sind alle Menschen und nur bis zu einem bestimmten Maß belastbar. Ist diese Grenze erreicht, versuchen wir mit verschiedensten Mitteln (wie Machtgebahren z. B.), wieder ins Lot zu kommen und die „geordneten“ Verhältnisse herzustellen.
Dass dies nicht immer förderlich ist für die Beziehung zu dem Kind liegt auf der Hand.
Was aber können Sie stattdessen tun?

Zur Beruhigung: eine Kränkung zerstört die Bindung nicht. Eine gute und stabile Eltern-Kind-Bindung ist so schnell nicht zu erschüttern. Jedoch sollte es ein Alarmzeichen sein, wenn diese Kränkungen immer mehr zunehmen. 

Dann ist es Zeit, über die Kommunikation in der Familie nachzudenken.

Es ist ein wichtiger Hinweis für Eltern, besser auf eigene Grenzen und Ressourcen zu achten. Und sie zu kommunizieren.

Und wenn es Ihnen doch wieder passiert ist: Kränkungen können zurückgenommen werden.

Vielleicht durch eine Entschuldigung,

eine Umarmung

oder

eine andere Form der Wiedergutmachung.

Zwar kanndas Verhalten Ihres Kindes der Auslöser dafür gewesen sein – aber letztendlich haben Sie die Kränkung ausgesprochen. Übernehmen Sie die Verantwortung für die Kränkung.