Wie wir Konflikte in der Familie gewaltfrei regeln können
„Paaapaa, der Jonas kommt immer in mein Zimmer, obwohl ich das nicht will!“ ruft es aus dem Zimmer der Teenagerin.
Wer kennt es nicht – der alltägliche Geschwisterstreit, die Rangelei um den Beifahrersitz, die morgendlichen Auseinandersetzungen wegen der Trödelei der Jüngsten – Konflikte gehören zum Familienalltag dazu.
Wie wir als erwachsene Vorbilder mit ihnen umgehen, hat großen Einfluss darauf, wie Kinder lernen, ihre eigenen Konflikte zu bewältigen.
Unerfüllte Bedürfnisse als Ursache
Wenn Kinder sich herausfordernd verhalten, steckt oft ein unerfülltes Bedürfnis dahinter.
Die Kunst ist es, das Bedürfnis auszumachen und es auf anderem Wege zu erfüllen.
Wenn sich Ihre Teenagerin wie beim oben genannten Beispiel hilfesuchend an Sie wendet, steht vielleicht das Bedürfnis nach Ruhe und Privatsphäre im Raum. Gleichzeitig wünscht sich Jonas vielleicht Anregung und Spielkontakt – oder Aufmerksamkeit.
Wenn Sie ein unerfülltes Bedürfnis ausgemacht haben, dann liegt in diesem auch oft die Lösung.
An unserem Beispiel: Ihre Teenagerin wünscht sich Ruhe vor dem jüngeren Bruder – dieser widerum ist neugierig, was seine Schwester so macht und er hat auch ein bisschen Langeweile. Diese Bedürfnisse passen offensichtlich nicht zusammen. Was wären mögliche Lösungen?
Fragen Sie Ihre Kinder. Die besten Ideen haben die betreffenenden oft selbst.
So könnte Ihre Tochter sagen, dass sie ein Schild an die Tür anbringt mit „Öffnungszeiten“ für ihren Bruder. Und Ihr Sohn könnte sich eine Beschäftigung suchen, die er mit Ihnen dann gemeinsam macht.
Wichtig ist hierbei, dass das Bedürfnis bekannt und benannt wird und alle an der Lösungsfindung beteiligt sind.
So kann so ein wiederkehrender Konflikt eine große Chance sein, mit Ihren Kindern in Verbindung zu treten und gemeinsam Lösungen zu finden. (idealerweise in einem ruhigen Moment)
Praktische Wege zur guten Konfiktlösung
Aktiv zuhören: Bevor Sie reagieren, nehmen Sie sich Zeit, um die Gefühle Ihrer Kinder und das Problem gut zu verstehen.
- „Worum geht es denn hier?“
- „Was möchtest Du genau erreichen?“
- „Was ärgert Dich so?“
- „Was wäre Dir lieber?“
Emotionen benennen: Kindern hilft es, wenn wir ihre Gefühle in Worte fassen („Ich sehe, dass du gerade wütend bist“).
Lösungen finden: Gehen Sie mit Ihren Kindern auf Lösungssuche. Sammeln Sie alle Vorschläge und vereinbaren Sie gemeinsam, wie der Konflikt verhindert werden könnte
„Was könnten wir beim nächsten Mal anders machen?“
- „Was kann jeder dazu beitragen, dass es nicht mehr so weit kommt?“
Vorbild sein: Wenn wir selbst ruhig und empathisch bleiben, lernen Kinder, in stressigen Momenten besonnen zu reagieren.
Fazit
Nicht jede Konfliktsituation lässt sich einfach so lösen – manche jedoch schon. Wenn Sie dabei ruhig bleiben und versuchen, gemeinsam mit Ihren Kindern eine erste Lösung zu finden, tragen Sie ganz viel zum sozialen Lernen Ihres Kindes bei.
So lernen Ihre Kinder nach und nach, sich konstruktiv und wertschätzend in Konflikten zu verhalten und gleichzeitig wird Ihre Beziehung zueinander gestärkt.
Konflikte gehören dazu, und mit einem guten Umgang damit sind sie eine gute Chance, daran zu wachsen – wenn sie gemeinsam gelöst werden.